Zwei 1.Preisträger beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert 2017“ in Alexandria!


Fünf Teilnehmerinnen und Teilnehmer in vier Wertungen. Das waren die simplen Zahlen für die Europa-Schule Kairo während des Landeswettbewerbes der Deutschen Schulen im östlichen Mittelmeerraum (DSOM).
Es ging während der sechs Tage im März in Alexandria nicht nur darum, musikalische Höchstleistungen zu zeigen und damit die Chance zu haben, Anfang Juni beim Bundeswettbewerb, der letzten Stufe in diesem Wettbewerb, zu spielen bzw. zu singen.
 
 
Die über 90 Schülerinnen und Schüler aus Italien, Griechenland, der Türkei, den palästinensischen Gebieten und schließlich aus Ägypten kommen alljährlich auch deswegen zusammen, um sich auszutauschen, sich kennen zu lernen und natürlich neue Freundschaften zu schließen. Oft halten sich diese jahrelang und man sieht sich eben auch immer zu den Wettbewerben wieder.
Nachdem in den Vorjahren die Deutschen Schulen in Thessaloniki, Mailand und Kairo (DEO) an der Reihe waren, war es nun dieses Jahr an der DSB Alexandria den Wettbewerb auszutragen. Dabei wurden in der „Bibliotheca Alexandrina“ das Eröffnungs- und das Preisträgerkonzert gespielt, die Wertungen aber im wunderschönen „Centre of Arts“ nahe der Schule durchgeführt.
Dieses Jahr gab es besonders viele Teilnehmer in den Kategorien Klavier solo und Gesang (klassisch) solo, wobei es auch Streicherduos, Harfe solo, besondere regionale Instrumente, Schlagzeug solo und auch Popgitarre solo gab.
Besonders in dieser Kategorie hatte die ESK mit Hussein Abdel Hady (6a) und Omar El Deeb (11a) zwei heiße Eisen im Feuer.
 
 
Hussein, bekannt von seinem letzten Auftritt beim Frühlingsfest mit zwei Freunden aus Klasse 6, rockte beim Vorspiel die Bühne und warf sogar seinen Hut in Richtung Jury! Auch „Nothing Else Matters“ von Metallica meisterte Hussein sehr souverän und da ging nach der Hälfte des Programms ein leichtes Raunen durchs Publikum, ob er es tatsächlich schaffen könnte weiterzukommen. In den nächsten beiden Stücken schlichen sich dann aber ein paar kleinere Fehler ein, sodass die Jury unseren Hussein mit 22 Punkten und einem 2.Preis ganz knapp nicht weiterleiteten.
 
 
Trotzdem ist diese Punktzahl ein großer Erfolg und wer Hussein (und seine Rockerfreunde) kennt, weiß, dass da ein echtes Talent noch viele Jahre Zeit hat, sich voll zu entfalten.
 
Omar El Deeb hatte mit Karim Gamil (12a) einen optimalen Begleitpartner, denn beide jammten und groovten was das Zeug hielt! Karim erhielt auch folgerichtig für seine Begleitung einen 2.Preis.
 
 
Zunächst spielten beide den Klassiker „Sultans of Swing“ von den „Dire Straits“, klangvoll, sehr gut aufeinander eingespielt und mit einem tollen Solo von Omar.
Danach wechselte Omar als einziger Teilnehmer das Instrument. Während alle anderen und er selbst auch alle Stücke auf der E-Gitarre performten, nutzte Omar zusätzlich eine Akustikgitarre zu Ralph Towners wunderschönem „Anthem“, einem Stilmix aus Klassik, Jazz und Rock. Intim und sensibel spielte er sich damit in die Herzen der Jury, denn niemand anders sollte etwas in dieser Richtung präsentieren.
Nach einer schwungvollen und starken eigenen Improvisation wurde es am Ende nochmal richtig laut: Iron Maiden mit „The Trooper“ erklang als Playback, zu dem Omar die Sologitarre spielte.
Während er beim Wertungsspiel noch brav im Pullover daherkam, tauchte er im Preisträgerkonzert angemessen mit Iron Maiden-Shirt auf, hatte cool sein Plektron im Mund und lächelte gewinnend in das jubelnde Publikum der Bibliotheca hinein, als er „The Trooper“ als Preisträger nochmals spitzenmäßig präsentierte. Die Weiterleitung mit 23 Punkten war also absolut gerechtfertigt!
 
 
Laila Ashraf Farouk ist vielen im Jugend musiziert – Zirkus aus den letzten Jahren sehr wohl bekannt, hat sie doch dieses Jahr bereits zum vierten Mal teilgenommen. Leider ist sie mittlerweile seit diesem Schuljahr nicht mehr an unserer Schule, das Reglement des Wettbewerbs erlaubt aber die Teilnahme ehemaliger Schülerinnen und Schüler. Laila trat in der Kategorie Gesang solo an und errang einen guten 2.Preis mit 20 Punkten. Dabei hatte sie in ihrer Altersgruppe 5 insgesamt neun weitere Mitstreiterinnen, die unterschiedlicher in Aussehen und Performance nicht hätten sein können.
 
 
Laila hatte sich ein sehr schönes Programm ausgedacht und man merkte ihr bei ihrem Vortrag an, dass sie die Lieder und Texte verstanden hatte, was nicht bei allen der Fall war. Souverän sang sie ihre sechs Lieder und Arien von W.A. Mozart, Felix Mendelssohn, Giovanni Bononcini und Francesca Boncompagni sowie ein tolles Spiritual („Swing Low, Sweet Chariot“) und den bekannten ägyptischen Volksliedkracher „Zoruni kol sana mara“.
Laila zeigte ihre stimmliche Stärke aber besonders beim Preisträgerkonzert, wo sie am Anfang für eine vor kurzem verstorbene Schülerin der DEO zusammen mit Sängern aus der DEO bzw. Istanbul das Lied „Halleluja“ von Leonhard Cohen mit einer wahnsinnig starken und intensiven Popstimme sang. Der Saal war von dieser Performance sehr ergriffen, Tränen rollten, Erinnerungen wurden wach.
Wir können uns auf die nächsten Jahre musikalisch freuen, wenn Laila beim Musical- und dann ein Jahr später beim Popgesang antritt.
 
 
Farida Abdel Hady aus der 11b durfte im Preisträgerkonzert direkt danach als erste Preisträgerin spielen, was einer besonderen Ehre gleichkommt. Nach dem traurigen Anlass des „Halleluja“, kam sie mit ihrem Stück für Klavier solo eigentlich genau richtig, denn für viele Anwesende war der Tod der DEO-Schülerin unerklärlich und bestürzend gewesen. Farida spielte von S. Prokofiev die „Suggestion Diabolique“, ein aufwühlendes, wildes, ja wahrhaft teuflisches Stück, das sie genau so spielte, wie es sein sollte: Ungezügelt, feurig, nahezu besessen. Dabei ist dieses Stück sehr schwierig zu interpretieren und Farida gelang dies auch im Wertungsspiel, was ihr dann zusammen mit den beiden anderen Stücken die hervorragenden 24 Punkte mitsamt Weiterleitung einbrachten. Das war die beste Punktzahl bei allen Pianisten!
 
 
 
Ihr Programm eröffnete sie mit Ludwig van Beethovens zweiten und langsamen Satz aus der „Pathétique-Sonate“. Dabei zeigte Farida ihre ganze Musikalität, die Melodien und die Begleitbewegungen flossen durch sie hindurch, schwollen an, ebbten ab und brachten die Jury dazu, sich nur Lobendes aufzuschreiben. Das war ein wunderbarer Start! Die „Suggestion Diabolique“ verlangten Farida dann kraftmäßig alles ab, denn man muss sehr viel Kraft und Lautstärke erzeugen. Sie schnaufte danach kurz durch und setzte noch eins drauf: Die Ballade Nr. 1 von Fréderic Chopin, eines der schwierigsten Stücke auf dem Klavier. Mit wunderbaren Temposchwankungen, Walzerteilen, schwierigsten schnellen Läufen und einer Klangqualität, besonders bei leisen und zärtlichen Momenten, begeisterte sie die Jury und das Publikum.
 
 
Bei der Preisverleihung waren dann doch irgendwie alle überrascht, teils wegen der Weiterleitung, teils, weil sie nicht nach Deutschland fahren durften. Zum Glück gab es danach in der DSB Alexandria ein großes Buffet und mit der Disco einen weiteren Höhepunkt dieser sechs Tage.
Nun drücken wir Farida und Omar fest die Daumen, dass sie in Deutschland prima abschneiden. Gute Chancen haben sie allemal!
 
 
Bericht: Frank Zimmermann
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