Schreibwettbewerb: Beste Freunde


Mit schnellen Schritten rannten sie davon, in der Hoffung, dass sie niemand mehr verfolgte. Nachdem sie um die letzte Ecke gebogen sind, stützen sie sich keuchend mit ihren Händen an ihren Knien ab. „Wenn du das noch einmal machst“, drohte Amy Kevin schnaufend, der nur verschmitzt aber auch unsicher grinste. „Es tut mir Leid, ja?“, sagte er versöhnend. Amy schüttelte nur seufzend den Kopf.

„Kevin, kommst du endlich?“, bat sie den blonden Jugendlichen, der noch seine Sachen in seinen Rucksack packte und währenddessen mit einem seiner Klassenkameraden sprach.
„Ja, Amy“, seufzte er leise und verabschiedete sich schließlich von seinem Klassenkameraden. Die junge Brünette wartete ungeduldig im Türrahmen seines Klassenzimmers, während ihr bester Freund nur mit einem spitzbübischen Grinsen auf sie zukam:
„Du weißt, dass ich heute noch Training habe und nicht ewig herrum trödeln kann!“, beschwerte sie sich, während beide gemeinsam das Schulgebäude verließen. Kevin und Amy kannten sich bereits seitdem sie 10 Jahre alt waren. Amy war neu in die Nachbarschaft gezogen, sodass sie sich im Sommer kennengelernt haben. Später stellte sich heraus, dass sie auch auf die selbe Schule gingen. Amy ging gerade mal in die 10.Klasse, während Kevin bereits eine Jahrgangstufe über ihr war.
Kevin schlürfte gedankenverloren neben seiner besten Freundin die Straßen entlang, während diese munter vor sich hinplapperte.
„Amy, ich muss noch was erledigen, wir sehen uns dann später, ja?“, verabschiedete sich Kevin plötzlich. Verwundert blieb Amy stehen und runzelte ihre Stirn. Es war nicht das erste Mal in den letzten Tagen, dass Kevin sie einfach stehen gelassen hat ohne ihr einen genauen Grund dafür zu geben.
„Warum? Was hast du noch zu erledigen?“, wollte sie wissen.
„Erzähle ich dir später. Man sieht sich!“, sagte er hastig, bevor er in der nächsten Straßenecke verschwand. Lange sah Amy ihm hinterher, seufzte aber dann leise und lief die restlichen Meter zu ihrem Familienhaus.

Seit zwei Wochen verschwand Kevin nun immer wieder nach der Schule ohne Grund. Er ließ Amy stehen, was sie misstrauisch machte. Es war ein Freitag und wie üblich machten sie sich gemeinsam auf den Nachhauseweg. Amy hatte eigentlich vor mit Kevin an dem Tag in die Innenstadt zu gehen, aber anscheinend hatte ihr bester Freund mal wieder andere Pläne.
„Amy, ich“, fing Kevi an, aber Amy unterbrach ihn.
„Ich weiß, du willst mal wieder ne Fliege machen, nicht?“, zischte sie gereizt.
„Ehm, ja. Man sieht sich, Kleines“, verabschiedete er sich hastig, bevor er auch diesmal um die Ecke bog und verschwand.
Diesmal aber entschied sich die Brünette dazu ihn nicht einfach nur gehen zu lassen. Auch wenn sie ihrem besten Freund eigentlich vertraute, konnte sie das einfach nicht mehr mit ansehen. Nachdem er um die Ecke verschwunden war, folgte sie ihm schleichend. Hastig lief er voran, während er sich immer wieder nach hinten umdrehte, was Amy die ganze Sache nicht erleichterte. Irgendwann kam aber auch Kevin zum stehen. Jedoch war er nicht mehr alleine. Es war wie eine Art von Gruppenversammlung unter Männern. Zumindest waren alle älter als Kevin.
„Da ist ja das Kücken“, sagte der Schwarzhaarige zu ihm und sah ihn an.
„Es ging nicht schneller“, redete sich Kevin heraus.
„Das sagst du immer“, erwiderte nun ein brünetter Typ. Kevin stattdessen ging gar nicht auf ihn ein, sondern sah wieder zum Schwarzhaarigen.
„Ok, wohin geht es heute?“, fragte Kevin.
„Es gibt heute so eine Veranstaltung in der Innenstadt. Viele Menschen, aber trotzdem kannst du dich unauffällig bewegen“, wurde es Kevin erklärt. Er nickte nur stumm, bevor sie sich auf den Weg machten.  Amy sah der kleinen Gruppe bestehend aus drei Männern und Kevin hinterher. Sie verstand nicht, was sie vor hatten. Trotzdem entschloss sie sich den Typen zu folgen, da sie ein mulmiges Gefühl in ihrem Magen ausbreitete.
Am Marktplatz in der Innenstadt angekommen war bereits eine große Menschenmasse versammelt. Es fiel Amy schwer die Gruppe an Jungs im Auge zu behalten. Bevor sie an ihrem Ziel ankamen, besprach diese was. Da sie flüsterten  konnte Amy leider nicht verstehen, was sie sagten.

Sie schlängelte sich durch die Menge, während auf der aufgestellen Bühne eine kleine Gruppe von Musikern stand und spielte. Es waren unmengen an Ständen vorhanden. Sie hielt ihre Augen offen, um Kevin nicht aus den Augen zu verlieren. Daraufhin trennten sich die Wege von Kevin und den drei Fremden. Amy ergriff diese Chance und eilte ihm hinterher. Als sie ihn erreichte, packe sie ihm am Unterarm. Kevin wirbelte herum und sah Amy entsetzt an.
„Was  machst du den hier?“, zischte er.
„Das könnte ich dich genau so fragen!“, konterte sie schnippisch. Bevor Kevin etwas erwidern konnte,fuhr Amy fort : „Wer sind diese Typen mit denen du hier bist und was zum Teufel hast du hier vor?“
„Du hast mich ausspioniert?“ Seine Augen verengten sich zu Schlitzen, während er sie böse ansah.
„Du hast mir keine andere Wahl gelassen! Du erzählst mir nichts mehr. Ich mache mir Sorgen um dich.“
„Du vertraust mir nicht“, erwiderte er.
„Wie auch?“ Verzweifelt sah sie zu ihm rauf. Plötzlich rief jemand nach Kevin.
„Ich muss weg“, sagte er zu Amy, bevor er sich los riss und davon eilte.
Traurig und verletzt sah sie ihm hinterher.
Als sie aber sah, wie Kevin mit den anderen Typen verschwand, löste sie sich aus ihrer Starre und folgte ihm auch diesmal.

Er und die Jungs liefen zu einem Stand, während der brünette Mann sich mit dem Verkäufer unterhielt.Der Stand des Verkäufers war Dosenwerfen, bei  dem man ein Stofftier gewinnen kann.  Es war Kevins Aufgabe, sich an das Geld des Mannes zu machen.  Er kroch hinter den Stand, um an die Geldkasse zu kommen, doch bevor er das schaffte, war der Verkäufer gerade dabei nach etwas zu greifen. Doch anstatt den erwünschten Gegenstandt zu ergreifen, spürte er Kevins dichtes Haar. Mit einem wütenden Blick sah der Verkäufer runter. Bevor Kevin reagieren konnte, schrie der Verkäufer bereits los, dass es einen Dieb gäbe. Kevin rappelte sich auf und wollte verschwinden, aber der Verkäufer hielt ihn grob am Oberarm fest.
„Mark! Troy! Jordan!Helft mir doch!“, rief Kevin verzweifelt.
Seine Freunde ließen ihn jedoch stehen und rannten selber weg.
Amy beobachtete das Geschehen mit großen Augen, bevor sie selbst eingreifte. Sie zögerte nicht lange und griff nach einem der harten Basbeballbälle, die auf der Theke lagen. Sie warf sie dem Verkäufer an den Kopf, der Kevin sofort los ließ. Kevin sah erstaunt zu Amy.
„Na los! Beweg dich schon!Wir müssen hier weg“, sagte sie zu ihm. Hastig nickte er und rannte zu Amy herum, um sie am Unterarm zu packen und sie mit sich zu ziehen. Zwar versuchten noch einpaar Leute in der Menge die beiden vom Verschwinden aufzuhalten, doch Kevin war zu schnell. Amy konnte nur schwer mithalten, bekam es aber hin, da Kevin sie mitzog.
Nachdem sie zwei Straßen weiter gerannt sind, blieb Amy keuchend stehen. Auch Kevin blieb stehen, bevor er sich den Schweiß von der Stirn wischte.

Stumm liefen die beide nebeneinander her, während Amy ihre Hände in den Jackentaschen ihres Hoodies versteckte.
„Was hat dich dazu getrieben?“, fragte sie dann leise.
„Es ist schwer zu erklären“, fing er an.
„Ich bin deine beste Freundin! Ich dachte du vertraust mir!“, warf sie ihm vor. Leise seufzte Kevin. Er ergriff ihre Hand und zog sie mit sich in Richtung Park. Dort ließen sie sich auf eine Parkbank fallen. Amy winkelte ihre Beine an, während Kevin seine Hände knetete.
„Mein Dad wurde aus dem Büro geschmissen und meine Mutter verdient nicht mehr so viel, wie damals. Fianziell stehen wir nicht mehr so gut da. Wir müssen wahrscheinlich unser Haus verkaufen“, rückte er dann mit der Wahrheit heraus. Unglaubwürdig sah Amy ihn an, sammelte sich aber schnell wieder.
„Warum hast du das nicht gesagt?“
„Weil ich dich kenne. Ich weiß, dass du dir immer viel zu schnell Sorgen machst. Da werden deine Augen immer so groß. So wie jetzt“, stellte er leicht grinsend fest. Amy fing nun ebenfalls an an ihrer Unterlippe zu knabbern.
„Seit wann triffst du dich mit diesen Kerlen?“, fragte Amy nun.
„Seit drei Wochen, ungefähr. Es war auch das erste Mal, dass ich Geld stehlen wollten. Mir haben die Jungs versprochen irgendwie an Geld zu kommen. Die meiste Zeit haben sie mich nur irgendwo warten lassen. Ich habe erst später gemerkt, was eigentlich in ihren Köpfen abging. Ich wollte aussteigen, aber das ging nicht. Ich will meine Eltern irgendwie unterstützen“, sagte er verzweifelt und fuhr sich durchs Haar.
„Hast du nicht einmal an einen Job gedacht?“, wollte sie von ihm wissen.
„Ich habe mich beworben, aber es kam nie was.“
Amy seufzte leise, bevor sie von der Parkbank aufsprang und Kevin die Hand hinhielt.
„Was hast du vor?“, fragte er verwirrt.
„Dir helfen, du Genie. Hättest du mir in den letzten Tagen zugehört, wüsstest du, dass meine Mutter verzweifelt nach einem Buchhändler sucht, der am Wochenende arbeitet“, erzählte sie ihm.
„Wirklich jetzt?“
„Nein, ich nehme dich auf den Arm. Jetzt komm mit“, grinste Amy leicht, bevor sie ihn mit sich zog.

Mittlerweile arbeitete Kevin seit einem Monat in der Buchhandlung bei Mrs. Freeman. Da er schon immer sehr gut mit der Familie Amys klar kam, verlief auch die Arbeit wie geschmiert. Er verdiente gut. Zwar musste er nebenei öfters für seine Prüfungen lernen, aber das ließ Mrs. Freeman oft genug zu, wenn es mal gerade keine Kunden gab. Obwohl er  seine Familie nicht stark unterstützen konnte, reichte es noch so aus, um die Kurve zu bekommen. Es reichte so lange aus, bis sein Vater eine neue Stelle gefunden hat.
Täglich bedankte sich Kevin bei Amy, doch sie winkte nur ab. Schließlich machen beste Freunde das füreinander und sind auch immer füreinander da, wenn sie gerade Hilfe brauchen.
Omniya Khalifa, Klasse 9b

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