Die Högy-Bigband an der Europa-Schule Kairo


Ein Bericht von Frank Zimmermann

Aus heiterem Himmel bekam ich im November 2014 eine Email von Frank Schlichter, Musiklehrer und Leiter der Bigband am Hölderlin-Gymnasium Nürtingen bei Stuttgart, ob die ESK Interesse an einem musikalischen Austausch hätte.
Der Kontakt kam über eine Kollegin von der Deutschen Schule Athen zustande und ich zögerte nicht lange, antwortete sofort und nach einigen Tagen der Rücksprache mit unserer Schulleitung sagte ich zu und übernahm die Gesamtorganisation.
Das kam uns noch so weit weg vor, Mai 2015. Wie sich aber zeigte, verflog die Zeit.

Die Högy-Bigband besteht aus rund 25 Musikern ab Klasse 7 bis hin zu ehemaligen Schülern. Hauptsächlich spielen Blechbläser, wie Trompeten und Posaunen mit aber auch Saxophone (die gehören zu den Holzbläsern!) sowie die „Rhythmusgruppe“, bestehend aus einem Schlagzeug, E-Bass, E-Gitarre und E-Piano. Zum Schluss ergänzt noch Laura als Sängerin die Band.
Das Repertoire der Band reicht von klassischen Swing-Standards bis hin zu Jazz-Rock-Funk-Nummern, Filmmusik und Popsongs.
Das sollte man sich nicht entgehen lassen!
In den Folgemonaten wurden Auftrittsmöglichkeiten gesucht, weitere Instrumente gekauft, das Wochenprogramm entwickelt, die Transportwege organisiert und vor allem Gastfamilien gesucht, denn die Deutschen sollten möglichst in ägyptischen Familien wohnen und so die heimische Kultur besser kennenlernen.
Nach all diesen Vorarbeiten war es dann am 15.Mai endlich soweit. Direkt aus Frankfurt kamen die 20 Musiker mit Frank Schlichter in Kairo an und wurden auch dank Frau Weber aus dem Flughafen gelassen, denn die Touristenpolizei sorgt sich besonders um größere Gruppen. So wurde Frau Weber vorübergehend Reiseleiterin.

Den folgenden Samstag verbrachten die Musiker in den Familien und unternahmen teilweise beachtliche Reisen: Nach Alexandria oder ans Rote Meer. Doch was in allen Familien gleich war: Unsere Freunde mussten ständig essen!

Am Sonntag gab es einen Ausflug zu den Pyramiden nach Gizah und eine Reittour auf Pferden um Sakkara herum.

Am Montag blieben alle in der Schule, wobei die Band in zwei Klassen ihre Instrumente vorstellte und einen gemeinsamen Blues einstudierte. Zwischendurch probte die Band mit unseren Sängern Rita (10a), Salma (10a) und Omar S.(5a) für das Schulkonzert. Außerdem waren Youssef (11.Kl.) und Ali Issa (10b) unsere Tabla-Experten und führten die Band fachkundig und fröhlich durch einen Tabla-Workshop.

Am Dienstag gab es erneut einen Ausflug, diesmal Downtown zum Cairo-Tower und danach zum berühmten Khan el Khalili – Bazar. Es war für unsere Freunde schon sehr beeindruckend, dieses Gewusel schon am Vormittag. Es wurden schöne Geschenke gekauft und alle übten sich im Verhandeln.

Mittwoch stieg dann das Schulkonzert. Aufgrund der großen Hitze teilten wir das Konzert auf und die Band spielte zunächst in der Grundschule. Als nach vier Nummern die Band das „Bilädi“ -  die ägyptische Nationalhymne – anspielte, lief es den Bandmitgliedern „kalt den Rücken runter“ - so beeindruckend war für sie die Stimmgewalt der Grundschüler.

In der 7. und 8. Stunde wurde das Gymnasium sowie etliche interessierte Eltern angenehm beschallt. Die einstündige Performance zeigte das ganze Können der Band und löste beim Publikum wahre Begeisterungsstürme aus. Besonders viel Applaus ernteten unsere drei Sänger, die nach nur einer Woche Vorlauf und Proben ihre Lieder wunderbar sangen. Omar S. (5a) sang „I´ll be there“ vom jungen Michael Jackson, Salma (10a) „Skyfall“ von Adele und Rita (10a) performte „What a Feelin`“ aus Flashdance. Ein großes Kompliment an alle drei!
Nach diesem bisher beispiellosen Hörerlebnis, trafen sich die Musiker und einige Gastgeber abends am Makan Cultural Centre nahe der Metrostation „Zaad Saghloul“, wo alle ein sehr traditionelles Konzert erlebten. Es gab „Zar-Musik“, die früher zur Vertreibung böser Geister genutzt wurde. Nach Hisbiskustee und teilweise unerschließbaren Rhythmen gab es ein Gruppenfoto mit der Hauptsängerin.
Der Donnerstag stand unter dem Zeichen des Konzerts im El-Sawy Culture Wheel auf Zamalek. Der sehr frühe Soundcheck hatte den Vorteil, das wir die sechs Stunden bis zum Konzert in einem Restaurant direkt am Nil und auf einer Felukke rund um Zamalek verbrachten.

Beim sehr professionell organisierten Konzert bei El-Sawy wurden alle Musiker mit Mikrofonen abgenommen und sogar eine Aufnahme gemacht. Leider fanden sich nur rund 120 Besucher im 500 Plätze fassenden Saal ein, die aber nach über zwei Stunden immer noch weitere Zugaben forderten. Ganz spontan erklärte sich auch Salma bereit, dort „Skyfall“ zu singen. Mehrfach wurde ihre Darbietung von Applaus begleitet. Ein überwältigender Erfolg!
Am Freitag und Samstag machte die Band einen Ausflug in die nahe Oase El-Fayoum. Neben der antiken Stadt Karanis stand hauptsächlich am Freitag ein ruhiger Tag in der Sobek Ecolodge an, wo sich ein kleiner, aber schön kühler Pool befand. Das brauchten auch alle, denn am nächsten Tag wurde es nicht nur wärmer,  es ging zudem auch noch in die Wüste!
In vier Geländewagen durchquerten wir die verschiedenen Geländearten, übersahen ein fantastisch schönes Tal, gingen Sandboarden und schwammen im „Magic Lake“. Danach mussten sich alle in drei Autos quetschen, denn ein Jeep gab den Geist auf.
Vor der Rückfahrt erfrischten sich aber alle nochmals im Pool, unter Palmen und von überall bunt blühenden Blumen umgeben.
Während der Rückfahrt wurde bereits für die am Abend stattfindende Abschiedsparty organisiert. Die Bigband lud ein zu „Kebab und Kofta“. Alle Musiker und die Gastfamilien waren eingeladen, auch einige mittlerweile gute Freunde fanden sich ein.
Es wurde gegessen, viel gelacht, Fußball gespielt (die Ägypter gewannen 5:4) und musiziert. Die Band gab ein Abschiedsständchen – auch von unseren Fröschen im Teich schallte es – es wurden viele Dankesworte gesprochen und schon die ersten Tränen vergossen. Es war ein sehr atmosphärischer Abend, der seinen Höhepunkt in einem kleinen Feuerwerk fand. Einen Dank hier auch an die Security, die uns toll umsorgt hat.
Leon, einer der Tenorsaxophonspieler, sagte, diese Tage seien „bisher die schönsten in ihrem Leben gewesen.“ Das war einhellige Meinung in der Band und es fanden sich tatsächlich viele neue Freundschaften und Kontakte.
Als Organisator dieser Begegnung möchte ich mich ausdrücklich bei den Gastfamilien bedanken, aber auch bei der Schulleitung, der Haustechnik, dem Busmanagement, der Verwaltung und den Kolleginnen und Kollegen.
Ohne eure Unterstützung hätte diese Begegnung nicht stattfinden können.
Vielen Dank!

27.5.15

Mehr Fotos vom Besuch der Big Band in unseren [Fotogalerien]!


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