Projekttag zum Thema Inklusion


Die Klasse 5d hatte im Schuljahr 2014/15 in der Woche zuvor von dem Projekttag erfahren. Inhalte und Abläufe wurden jedoch nicht bekannt gegeben, um Meinungen und Einstellungen vorab nicht zu beeinflussen.
In einem allgemeinen Einstieg wurden die Schüler mit Biografien konfrontiert, die über Menschen aus allen Lebensbereichen berichteten. Wie beispielsweise von einem 11-jährigen Schüler, einem Sportler, einer Schauspielerin oder einem Mathematiker. In einem zweiten Schritt folgten die Bilder von Personen. Nun ordneten die Schüler die Porträts den Biografien zu. Eindeutig konnten die Bilder des Schülers oder auch der Schauspielerin zugeordnet werden. Auf einem Bild war ein Mann im Rollstuhl zu sehen, auf einem anderen ein Sportler mit Beinprothese. Hier verlief die Zuordnung zögernd und ich musste korrigierend eingreifen. Es war eindeutig Unsicherheit in der Klasse zu spüren. Sie hatten ein solches Thema nicht erwartet. Ich wurde gefragt, ob es diese Menschen in Wirklichkeit gebe, was ich bejahte. Die Schüler verlangten eine genaue Erklärung der Zuordnung. Der dritte Schritt lieferte Erklärungen und Zusätze zu den jeweiligen Biografien. Der erfolgreiche Sportler und Gewinner einer Goldmedaille beispielsweise hatte einen Unfall und verlor ein Bein. Er trägt seither eine Beinprothese und nimmt weiter an Wettkämpfen teil. Der Blick der Schüler sollte geschult werden, dass Menschen trotz ihrer Behinderungen Besonderes leisten können. Die Frage „Und wie soll das gehen?“ liegt nicht fern und durfte gerne gestellt werden. Mit diesem Denkanstoß führte ich die Schüler in das Thema ein. Für den weiteren Verlauf wurden die Schüler in Kleingruppen mit maximal vier Schülern eingeteilt.
An vier Stationen empfingen wir die Gruppen. Aufbau und Organisation waren ähnlich, jedoch mit einem anderen thematischen Schwerpunkt. So gab es Stationen zu folgenden Themen: Körperliche Behinderungen, Sehstörungen, Konzentrations-/Lernstörungen und Sprachstörungen.  
Die Schüler sahen die Bilder der bereits bekannten Personen und benannten gemeinsam mit dem Lehrer die Art der Behinderung. Danach überlegten die Schüler, welche Schwierigkeiten diese Beeinträchtigung im Alltag bedeuten könnte. Dieser Schritt diente zur Vorbereitung auf die folgende praktische Phase, in der die Schüler Aufgaben aus der Sicht einer Person mit dieser Behinderung durchführten, wie zum Beispiel: Schwelle im Rollstuhl überqueren, Gedicht bei lauter Musik auswendig lernen oder Mathematikaufgaben mit einer Brille mit Sehstärke erledigen.
Alle Gruppen trafen sich zu einer großen Abschlussrunde. Die Schüler hatten noch einmal die Möglichkeit Fragen zu stellen. Aus der Diskussion heraus haben die Lernenden über Menschen mit einer Beeinträchtigung aus ihrem Freundes- oder Familienkreis berichtet. Die Erzählungen reichten von der Oma mit einer Sehschwäche bis zu dem behinderten Bruder, der im Rollstuhl sitzt.  
Mit dem Projekttag erhoffte ich mir als Lehrerin, dass dieses Thema für die Klasse nicht mehr fremd ist und Unsicherheiten und Ängste im Umgang mit den Mitschülern abgebaut werden können. Vorurteile wurden überdacht und Strategien für das eigene Handeln entwickelt.  
Sarah Dittmann




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